Die Hälfte der Sonne

von Chimamanda Ngozi Adichie

Ich sehe ihn heute noch –
dürr, dünn wie Draht, in der Sonne und dem Staub
der trockenen Monate
Grundstein auf den winzigen Überresten der Leidenschaft
und des Mutes.

Dieser Ausschnitt des Gedichts „Mango Seedling“ von Chinua Achebe steht am Anfang des Romans „Die Hälfte der Sonne“. In ihrem Roman nimmt die nigerianische Autorin Chimamanda Ngozi Adichie mich mit auf eine Reise ins Nigeria der 60er Jahre. Aus verschiedenen Perspektiven beschreibt das Buch eine Zeit des Aufbruchs, politischer Spannungen und schließlich dem zerstörerischen Krieg um Biafra.

Im Mittelpunkt stehen dabei die beiden wohlhabenden Schwestern Olanna und Kainene, sowie Ugwu ein Dorfjunge und der englische Journalist Richard. So unterschiedlich ihre Lebensentwürfe auch sind, sind sie doch miteinander und mit den Ereignissen der Zeit verwoben. Schnell finde ich mich wieder im Strudel der Erzählung und nachdem ich das Buch gelesen habe, klingt es noch lange nach.

Das Buch lädt dazu ein, von eurozentrischen Blickwinkeln abzurücken. Für mich sind auch besonders die starken weiblichen Charaktere und die realistische, emotionale Schilderung der Ereignisse, die dabei trotzdem nicht überwältigt.

Das Buch ist eine Empfehlung an alle, die sich für außereuropäische Geschichte interessieren und bleibt trotzdem eine Geschichte, in der die Protagonist*innen zutiefst menschlich handeln und fühlen. Am Ende lohnt es sich die Anfangsworte nochmals zu lesen und zu sehen, was sich verändert hat.